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Blaulicht und Einsatzhorn

Wann wir mit Sondersignal fahren, warum es manchmal laut sein muss und wie Sie uns richtig Platz machen.

Wann fahren Rettungsfahrzeuge mit Blaulicht und Einsatzhorn?

Es gibt zwei Situationen.

Auf dem Weg zum Einsatz entscheidet die Rettungsleitstelle. Sie schickt ein Fahrzeug mit Sondersignal, wenn gesundheitliche Schäden zu erwarten sind oder sogar Lebensgefahr bestehen könnte. Oft hat sie nur wenige Informationen und muss auf Verdacht alarmieren. Die Leitstelle hat hier gegenüber den Einsatzfahrzeugen aller Organisationen ein Weisungsrecht.

Auf dem Weg in die Klinik entscheidet das Rettungsteam. Manchmal fahren wir aus Zeitgründen mit Sondersignal, etwa bei einer nicht zu stillenden Blutung, bei Verletzungen, die dringend operiert werden müssen, oder beim Schlaganfall im sogenannten Zeitfenster. Oft fahren wir Notfallpatienten aber ohne Sondersignal, aus Rücksicht auf ihre psychische Situation, wenn das medizinisch vertretbar ist.

Muss das immer so laut sein?

Grundsätzlich leider ja.

Die Straßenverkehrsordnung gibt Rettungsfahrzeugen Sonderrechte: Im Einsatz dürfen sie die Vorschriften der StVO unter Beachtung der nötigen Sorgfalt außer Acht lassen. Das Wegerecht nach § 38 StVO müssen sie aber mit Blaulicht und Einsatzhorn anzeigen. Andere Verkehrsteilnehmer sind nur dann verpflichtet, Platz zu machen, wenn beides eingeschaltet ist.

Unsere Fahrer stecken dabei oft in einem Dilemma: Sie wollen niemanden unnötig stören, vor allem nachts. Gleichzeitig müssen sie zügig und sicher ankommen und sich gesetzeskonform verhalten, sonst droht im Schadensfall die volle Schuld. Unsere Teams versuchen, die Nachbarschaft vor unnötigem Lärm zu schützen. Das gelingt nicht immer. Wir alle wollen im Notfall schnelle Hilfe und sonst unsere Ruhe. Beides lässt sich nicht immer vereinbaren.

Ein typisches Beispiel: Ein Rettungswagen fährt in die Karlsruher Fußgängerzone, um niemanden zu erschrecken nur mit Blaulicht und Frontblitzern. Viele Passanten schauen, machen aber keinen Platz. Erst als das Team das Einsatzhorn einschaltet, geht es weiter, und dafür gibt es dann Kopfschütteln und Beschimpfungen.

Ist Blaulichtfahren gefährlich?

Ja, sehr.

Unfall eines ProMedic-Rettungswagens mit einem Pkw bei Nacht

Viele Verkehrsteilnehmer sind verunsichert, wenn sich ein Einsatzfahrzeug nähert, oder nehmen es gar nicht wahr. Durch mehr Verkehr und steigende Einsatzzahlen sind Unfälle mit Einsatzfahrzeugen in Deutschland an der Tagesordnung. Auch im Rettungsdienstbereich Karlsruhe gab es in den vergangenen Jahren etliche Unfälle, ProMedic war mehrmals betroffen.

Fahren die manchmal zum Spaß mit Blaulicht?

Nein, nie.

Für Rettungsprofis ist Sondersignal kein Spaß, sondern ein notwendiges Übel. Missbrauch wäre ein Vergehen mit rechtlichen und arbeitsrechtlichen Folgen für den Fahrer.

Manchmal heißt es: „Die sind über zwei rote Kreuzungen gefahren, haben dann alles ausgeschaltet und sind normal weitergefahren.“ Das kommt tatsächlich oft vor. Ein Einsatz wird per Funk vergeben und kurz darauf von der Leitstelle zurückgenommen, weil ein neuer Anruf eingegangen ist oder ein anderes Fahrzeug näher am Einsatzort ist.

Wann muss ich rechts ranfahren?

Sobald ein Einsatzfahrzeug von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst mit Blaulicht und Einsatzhorn kommt, müssen Sie Platz machen. Wenn Sie das Horn hören, orientieren Sie sich schon einmal, aus welcher Richtung es kommt. Es können auch mehrere Fahrzeuge sein.

  • Einspurige Straße: an den rechten Fahrbahnrand fahren und halten.
  • Zwei Fahrstreifen: Gasse in der Mitte bilden.
  • Drei Fahrstreifen: Die beiden rechten weichen nach rechts aus, der linke nach links.

Die Grafik unten zeigt, wie das aussieht.

Was mache ich im Gegenverkehr?

Rettungsfahrzeuge sind groß, und auf vollen Straßen ist es nicht einfach, sich einen Weg zu bahnen. Viel leichter wird es, wenn auch der Gegenverkehr Platz macht. Kommt Ihnen ein Rettungsfahrzeug mit Sondersignal entgegen: langsamer werden, möglichst rechts halten und freie Bahn schaffen.

Warum fahren manche Rettungswagen mit Blaulicht langsam?

Manche Patienten müssen besonders schnell, andere besonders schonend transportiert werden. Auch für den schonenden Transport nutzen wir Sonderrechte, zum Beispiel bei starken Schmerzen, die jedes Anfahren, Bremsen oder Schlagloch verschlimmert. Das Sondersignal sichert dann das eigene Fahrzeug und warnt die anderen Verkehrsteilnehmer.

Muss ein Patient dagegen schnell in die Klinik, etwa für eine dringende Operation, fahren wir so zügig wie möglich, ohne Patient und Kollegen im Patientenraum zu gefährden. Die Sonderrechte helfen, Staus, rote Ampeln und zähen Verkehr schneller zu passieren.

So bilden Sie die Rettungsgasse

Wählen Sie die Anzahl der Fahrstreifen.

Anzahl der Fahrstreifen wählen

Zwei Fahrstreifen

Die Rettungsgasse entsteht in der Mitte: Wer links fährt, weicht nach links aus. Wer rechts fährt, weicht nach rechts aus.